Hinlegerad

© C. Lessel 2007

"... Oder tun Sie noch viel Blöderes: Konstruieren Sie sich ein Liegefahrrad und gondeln Sie damit durch die Stadt! In jeder Stadt gibt es zwei oder drei Liegefahrradfahrer, da kommt es auf einen mehr nicht an. Befestigen Sie an Ihrem Liegerad ein schäbiges Transistorradio aus rotem Plastik, aus dem deutsche Schlager und Märsche herausquäken. Hissen Sie drei große Flaggen auf Ihrem Liegefahrrad, die der USA, die von Deutschland und die Ihres Bundeslandes! Bilden Sie sich während des Liegeradelns ein, daß alle Leute Sie wegen ihres Vehikels beneiden. Erlangen Sie zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von der Tatsache, daß alle Leute Sie wegen Ihres Vehikels bemitleiden! Hängen Sie an ihr Liegefahrrad einen Anhänger voll Katzenfutterdosen ...",

schreibt Max Goldt in seinem offenen Brief an Theo Waigel ("Ä", Kolumnen, Heyne-Taschenbücher, Allgemeine Reihe 01/10642).

Nee, so nicht, Herr Goldt, so nicht mit uns!!

Schon 1995, als dieser Text entstand, gab es in Hamburg und Berlin, den beiden Städten, in denen sich auszukennen Herr Goldt vorgibt, deutlich mehr als zwei bis drei Liegeradfahrer. In Hamburg sind es z. B. schon fast 50, die den Liegeradstammtisch mehr oder weniger regelmäßig heimsuchen. Zugegeben, mit der Beschreibung eines Liegeradfahrers lag Herr Goldt nicht so sehr daneben, wie wir uns das wünschen würden. Zumindest ein Liegeradfahrer fährt in Berlin ungefähr so rum, wie oben beschrieben. Da fehlen höchstens die Katzenfutterdosen. Aber das darf man doch nicht verallgemeinern!

Eigenbau

Besser gefällt uns da schon das folgende Loblied auf's Liegeradfahren
(aus Bild der Wissenschaft 12/2001, Seite 14):

"RADFAHREN

Zu schmaler Sattel quetscht den Penis

Gelobt sei, was hart macht. Aber was den Beinmuskeln nutzt, kann sich übel auf die Potenz auswirken." [Bildunterschrift zu einem dieser Rennradfahrerfotos, von denen einem schon nur vom Hinsehen ganz klamm am Sack wird]

"Seit Jan Ullrich 1998 die Tour de France gewonnen hat, ist Rad fahren in Deutschland noch beliebter geworden. Besonders im Trend liegen bei Männern hochwertige Rennräder mit extrem schmalem Sattel. Doch in letzter Zeit häufen sich Klagen der Radsportler über Potenzstörungen und Taubheitsgefühle in den Genitalien. Wissenschaftler der Universität Köln haben jetzt herausgefunden: Ein schmaler Sattel quetscht den Penis so stark ein, dass er nicht mehr richtig durchblutet wird. Die Urologen hatten in einer Studie die Penisdurchblutung von 100 Radsportlern untersucht. Sie reduzierte sich um 70 Prozent, wenn die Männer auf dem "Rennsattel" fuhren. Benutzten sie dagegen einen breiten Frauensattel, wurde ihr Geschlechtsteil nur um 22 Prozent schlechter durchblutet. Die Forscher empfehlen deshalb, beim Rad fahren öfter zwischen stehender und sitzender Position zu wechseln. Am besten sei jedoch ein Liegerad - bei dieser Art der Fortbewegung werde der Penis am wenigsten malträtiert."

Das Loblied auf das Liegerad wurde sogar schon wissenschaftlich untermauert gesungen.
Weiter lesen!

Aber muß uns diese Diskussion wirklich interessieren? Wir sind ja auf der sicheren Seite. Liegeradfahrer sind die besseren Liebhaber! Ist dies der letzte wirklich wahre Grund für die Liegeradbegeisterung vieler Männer und deren befreites Grinsen beim Liegeradfahren?

Eigenbau

Oder beruht diese Begeisterung einfach (negativ besetzt) auf Faulheit oder (positiv besetzt) auf sportlicher Eile? Immerhin spart man mit einem Lieger einige Energie - siehe http://www.kreuzotter.de/deutsch/speed.htm-, die man prima am Bauch sammeln kann ;-) oder in Vortrieb umsetzt.

Diese Energieeinsparung kann andererseits im Gebirge bei der Fahrt bergab den Bremsen und vor allem den Felgen mächtig zusetzen und Decken und Schläuche schlauchen. Deshalb ist's besser, die Gedanken der Tandemfahrer, die ähnliche Probleme plagen, zu diesem Thema zu kennen:

Eigenbau

Daß Liegeradfahrer tatsächlich Radfahrer sind, hat in seiner großen Weisheit nach einem tiefen Blick in den Brockhaus das Bundesverwaltungsgericht beschlossen (Beschluß vom 31.05.2001 - also kurz nach Himmelfahrt ;-) Az. 3 B 183.00, Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht 2001, 439, "Benutzungspflicht für Liegeradfahrer"). Wer's Lesen will, klicke hier.

Eigenbau

Gibt es den liegeradtypischen Unfall? Einer, der passiert, weil man nicht gesehen wird? Eigentlich nicht. Aber nun soll es doch einmal passiert sein (siehe Polizei-Pressemappe vom 13.10.2005: POL-AC: Ungewöhnlicher Unfall mit Liegerad). Die Diskussion über diese Meldung in den einschlägigen Internetforen war sehr ausgiebig, führte aber noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis - außer dem bekannten: "Vorsicht mit stehenden Lkw; am Ende fahren die alle wieder an, auch wenn die Fahrer vor bzw. neben sich nix sehen können".

Eigenbau

Dies ist die Homepage der locker organisierten Liegeradfahrer Hamburgs ("Liegeradstammtisch") - z. Zt. verwaltet von Frank Bokelmann.

Post an Frank Bokelmann

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Zum Stammtischtermin

 

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Diese Seite wurde am 27.10.1999 ins Netz gestellt.
Sie wurde aktualisiert am: 02.07.2007.

 

 

 

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